Loop Head & Cliffs of Moher

und warum ich nun Angst vor Kühen habe

Nach dem Regen der vorherigen Tage sollten wir nun mit ein bisschen mehr Sonnenschein rechnen können. Wir starteten in den Tag mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über Ennis, einem eher kargen Frühstück in der Hostel-Küche und machten uns auf dem Weg zum Loop Head und den Cliffs of Moher.


Loop Head

Am Loop Head angekommen trafen wir Martin; Martin ist ein Geologe, der mit Leib und Seele in seiner Arbeit aufgeht. Er hat nie promoviert, was er ein wenig bereut – und doch ist er als Wissenschaftler schon an vielen Unis gewesen, auch in Deutschland. Jeden Tag ist er an den Klippen, mal hier, mal da. Er ist begeistert von der heutigen Technik, wie man mit Drohnen nun endlich auf einfache Weise Teile der Klippen und des Gesteins untersuchen kann.

Martin erzählt uns von Plattentektonik und freut sich, dass wir nicht bereits beim zweiten Satz aufgeben. Er hört gern, dass wir auch die weniger bekannten Orte besuchen und nicht nur zu den Cliffs of Moher fahren. Martin legt uns nahe, die Bridge of Ross zu besuchen und nicht nur am Schild stehen zu bleiben, sondern weiterzugehen, bis wir wirklich die Brücke sehen. Doch dazu weiter unten mehr; hier geht es erst mal um den Loop Head.

Wir genossen die Stille, da hier kaum Touristen unterwegs waren. Der Boden war vom Regen der letzten Tage getränkt und so kam man manchmal nicht drumherum, bis zu den Knöcheln im dezent stinkenden Wasser zu versinken. Es war eine Herausforderung, die „trockenen“ Stellen zu erwischen; ob es überhaupt welche gab, mag ich heute bezweifeln. Ein Hoch auf die trockenen Socken und Ersatzschuhe, die ich mir für diesen Tagesausflug eingepackt hatte.


Bridge of Ross

Als wir den Parkplatz der Bridge of Ross erreichten taten wir genau das, was Martin uns sagte. Denn eine Brücke war hier weit und breit nicht zu sehen! Wir gingen an einer Kuhherde vorbei, die auf unserer Seite des Zaunes war. Kein Problem, genug Platz ist da! So erreichten wir irgendwann die noch stehende Bridge of Ross – die beiden weiteren sind der Zeit zum Opfer gefallen.

Doch auf dem Rückweg… war da nicht mehr so viel Platz. Die Herde befand sich gerade auf einem maximal zwei Meter breitem Weg, um zur nächsten freien Fläche zu gelangen. Kein Problem, dann warten wir eben. Und warten. Und warten. Die Kälber, die mitten auf dem Weg stehen, haben uns gesehen und Angst – dabei sind wir doch so weit weg! Sie können ohne Probleme zu ihrer Herde. Apropos: Die Leitkuh schaut uns mittlerweile argwöhnisch an.
Oh oh.
Wir trauen uns kaum noch zu atmen. Ruhig bleiben, ihnen nicht in die Augen schauen. Wir sind keine Raubtiere, die gerade versuchen, das Kalb von der Herde zu trennen, wirklich nicht! Das ist einfach nur ein Missverständnis!

Das Kalb hat immer noch Angst und geht wieder rückwärts.
Nein! Falsche Richtung!
Was machen wir nun? Die andere Richtung ist nun auch versperrt, die Herde nimmt teilweise bereits den Weg, den wir gekommen sind. Und das Kalb steht zwischen uns und dem Auto. Mist. Irgendwann nehmen wir unseren ganzen Mut zusammen und gehen den Weg zum Auto – und scheuchen das Kalb ein wenig vor uns her. Natürlich rennt es direkt weg, in eine Ecke, an der wir ohne Probleme vorbeikommen. Glück gehabt! Und nun schnell zum Auto. Bei einem Blick zurück sehen wir die Mutter, die nun zu ihrem Kalb geht. Alter Schwede, diesen Adrenalinpegel brauche ich nicht nochmal.


Cliffs of Moher

Der eigentliche „Höhepunkt“ dieses Tagesausflugs ist auch gleichzeitig der touristischste Ort von allen. Die Cliffs of Moher. Ein großer Parkplatz, Menschenmassen, Gedränge, Souvenirshops, Müll… Ihr versteht. Nur allzu gern haben wir uns von der Menge entfernt und sind auf Wanderwegen die Klippen entlang gelaufen. Insbesondere Klippen lassen sich um ein vielfaches beruhigter genießen, wenn man weiß, dass nicht 100 Leute hinter einem stehen. Meine Höhenangst ist hier auch nicht sonderlich hilfreich.

Es war schon beeindruckend diese hohen Klippen zu sehen und ich habe einen respektvollen Abstand gehalten. Nichtsdestotrotz bevorzuge ich weiterhin die ruhigeren Stellen, die eben nicht ganz oben auf bekannten Reiselisten sind. Die Orte, die nicht offensichtlich atemberaubend sind, sondern ihre Schönheit vielleicht erst auf den zweiten Blick preisgeben. Interessant war es natürlich schon, keine Frage.

Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher
  • Cliffs of Moher

Im Oktober 2017 verschlug es uns für einen zweiwöchigen Roadtrip auf den südlichen Teil Irlands. Inklusive Regen, Schafe und dem Hurricane Ophelia. Mehr Beiträge davon gibt es hier.

2 Kommentare zu “Loop Head & Cliffs of Moher

  1. Da dies zum jetzigen Zeitpunkt der aktuellste Artikel ist mein Kommentar an dieser Stelle:

    Tolle Fotos hast du gemacht und in einen liebenswürdigen Bericht verpackt. Sie hinterlassen diesen kleinen Stich von Wehmut und Fernweh. Ich freue mich auf weitere Artikel.

    Es scheint, als hätte ich wenige Wochen vor dir eine ausgesprochen ähnliche Tour gemacht (–> https://rausklickboom.de/2017/10/18/rundreise-irland-einmal-um-die-gruene-insel/), nur in den Wicklow Mountains waren wir nicht – zu wenig Vertrauen (zurecht) in unseren Motor. Ich bin gespannt auf den Rest.

    LG

    • Hallo Daniel, danke für deinen Kommentar!
      Das stimmt, unsere Reisen waren recht ähnlich; aber da wir leider nicht so lange dort waren, ging es nach den Klippen für uns zurück nach Dublin, wo wir auch nur noch eine Nacht vor unserem Flug verbrachten. Mehr Irlandfotos gibt es also bei mir leider nicht mehr – jedenfalls nicht von der Reise ;)
      Danke für den Link zu deinem Blog, sehr interessant! Und ebenso tolle Bilder :)

      Grüße, Jennifer

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