Die neue Kleine – Sony RX100M3

Vor bald vier Jahren habe ich mir als kompakte Reisekamera die Sony RX100 gekauft. Sie reiste mit mir nach Hong Kong, Russland, Schottland und befand sich nahezu täglich in meiner Tasche. Damals habe ich einen kleinen Erfahrungsbericht über sie geschrieben, heute möchte ich dies über ihre große Schwester machen: Die Sony RX100M3.

Damals träumte ich noch von einer Fuji X-T1 mit dem 56mm/1.2, heute habe ich den Sprung gemacht und bin spiegellos. Und auch wenn so ein spiegelloses System bereits weniger wiegt und relativ kompakt ist, geht es durchaus kompakter. Und deswegen habe ich nie darüber nachgedacht, die kleine Sony loszuwerden. Allerdings wurde sie immer seltener benutzt, was ich schade fand. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass dies ein Luxusproblem ist und ich keine neue Kamera brauchte. Die erste Sony war und ist immer noch eine gute Kamera, die nun jemand anderem gute Dienste leistet. Doch für den nahenden Vietnam-Urlaub hat es mich vor genau einem Jahr gereizt, die RX100M3 zu kaufen.

 DSC-RX100M3  8.8mm  ƒ/3.5  1/640s  125 

Warum eine Neue?

Früher habe ich diese Features als überflüssig bezeichnet, doch heute mag ich gar keine Kamera ohne Wifi und Klappdisplay mehr haben. Wir leben in Zeiten, in denen wir ständig vernetzt sind. Je schneller ein Bild zur Verfügung steht, umso besser. War es lange Zeit bereits eine Sensation, das Bild an der Kamera anschauen zu können und dann abends bereits auf dem Rechner zu sehen, ist es heute fast Normalität, das Bild direkt auf dem Smartphone zu haben, um es an Familie & Freunde zu schicken. Oder ab zu Instagram / Twitter. Im Urlaub (Hong Kong / Schottland) habe ich somit immer daran denken müssen, Bilder mit dem Handy zu machen, um sie an die Lieben daheim zu schicken.

Mehr Wollen als Brauchen…

Ein Klappdisplay ist auch wunderbar. Ungewöhnliche Perspektiven wie nah am Boden habe ich ziemlich lieb gewonnen. LiveView war bereits ein großer Sprung, musste ich nicht mehr mit der Kamera auf dem Boden liegen (was ich tatsächlich ab und zu getan habe…), doch das Klappdisplay hat es noch einmal vereinfacht. Dass die RX100M3 nun sogar ein Display besitzt, welches man um 180° umklappen kann, ist ein nettes Zusatzfeature. Auch das ein oder andere Selfie wird gemacht – warum auch nicht, denn auch diese Bilder wird man in ein paar Jahren gerne anschauen. Vielleicht sogar lieber, als das tausendste Landschaftsfoto.

 DSC-RX100M3  25.7mm  ƒ/2.8  1/250s  640 

Die Unterschiede zwischen RX100 und RX100M3

Laut Sony ist die M3 nicht die Nach(-nach-)folgerin, sondern einfach nur eine weitere Kamera in dieser Modellreihe. Ich möchte gar nicht auf alles eingehen, sondern wieder nur auf das, was für mich persönlich wichtig ist. Ein großer Unterschied ist das komplette Objektiv. Während die M1 einen KB-äquivalenten Zoombereich von 28-100mm abgedeckt hat, kommt die M3 auf einen Zoombereich von 24-70mm. Außerdem unterscheiden sich die Blenden in der Telestellung; ƒ/4,9 bei der M1 vs. ƒ/2.8 bei der M3. Zusammen mit dem neuen Sensor und neuen Bildprozessor habe ich insbesondere in Telestellung und bei schlechtem Licht eine bessere Bildqualität als zuvor. Das Klappdisplay und die Wifi-Fähigkeit habe ich bereits erwähnt, die M1 hat keines davon.

Kurzgefasst: In (fast) allem ein bisschen besser & moderner

Die weiteren Vorteile der M3 betreffen Software und Bedienung. Im Grunde hat sich nicht viel geändert, doch das FN-Menü kann nun 12 statt 7 Parameter beinhalten und man kann eine weitere Taste selbst konfigurieren. Eine Kleinigkeit, die mich sowohl überrascht, als auch gefreut hat: Man kann nun Belichtungsreihen mit größeren Belichtungsabstand einstellen, bspw. 5 Bilder mit je 3EV Abstand. Die M1 konnte nur 3 Bilder mit 2/3EV Abstand aufnehmen, was eher schlecht als recht war. Nicht, dass ich jetzt der große HDR-Fan bin, doch ab und zu mache ich schon eine Belichtungsreihe aus der Hand. Und wenn es nur darum geht, dass ich später entscheiden möchte, welches Bild mir lieber ist.

HDR aus drei Einzelbildern, in Lightroom zusammengesetzt

Außerdem hat die M3 auch einen elektrischen Pop-up Sucher. Allerdings habe ich ihn bisher kaum gebraucht – zudem hält der Akku bei Benutzung des EVF nicht so lange, was ich unpraktisch finde. Das hintere Display wird nicht abgeschaltet, meiner Meinung nach ein Designfehler. In der Hạ Long Bucht, Vietnam, war es allerdings so hell, dass ich gar nicht ohne den Sucher fotografieren konnte. In den meisten Fällen hilft es bereits, das Display um 90° nach oben zu drehen und mit den Händen abzuschatten, um mehr zu sehen.

Im Artikel zur RX100M1 habe ich erzählt, dass ich sie gerne in der Programmautomatik und Belichtungskorrektur auf dem Objektivrad benutze. Daran hat sich nicht so viel geändert, wobei ich die M3 auch sehr gerne in der Zeitautomatik mit aktivierter Auto-ISO nutze. Auf das Objektivrad habe ich zumeist den Zoom gelegt, den man nun auch stufenweise benutzen kann: Die Kamera zoomt von 24mm auf 28mm, 35mm, 50mm und 70mm (alles KB-Äquiv.). Also wirklich so, als hätte ich fünf Festbrennweiten eingesteckt. Anstelle der Belichtungskorrektur benutze ich nun häufiger den Belichtungsspeicher, auch als AE-Lock bekannt. Es gibt einfach zu viele Wege, die zum Ziel führen.

 DSC-RX100M3  8.8mm  ƒ/1.8  1/30s  3200 

Stabilität

Ehm. Nunja, diesen Absatz muss ich jetzt auch schreiben… denn ich muss zugeben, dass mir einmal die Kamera vom Schoß gepurzelt ist. Aus fast 1m Höhe auf rauen Steinboden, mehrfach Purzelbäume geschlagen. Und das auch noch am Anfang des Urlaubs! Tief durchatmen. Sie hat es überlebt. Durch den Sturz hat sie sich ein wenig verzogen, sodass der Blitz nicht mehr so einfach aufploppt und die Ecke einfach ein wenig schief aussieht. Aber sie hat es überlebt, der Sucher ebenfalls, und so manch ein Gehäuse wäre in seine Einzelteile zersprungen. Fazit: Respekt für so ein kleines Ding.

upsi.

Mein Zubehör

Wie auch zuvor bei der Sony RX100M1 nutze ich den Handgriff und meine selbstgemachte Handschlaufe. Diese hängt allerdings nun an Verbindungssteckern der Marke OPTech, sodass ich sie bei Bedarf schnell gegen einen längeren Gurt austauschen kann, damit ich die Hände komplett frei habe. Auch der dünne Metallring für den Carry Speed Magfilter habe ich bereits wieder angebracht. Daran nutze ich abwechselnd Polfilter, Graufilter und eine Nahlinse. Das Display habe ich übrigens direkt mit einer relativ simplen Displayfolie geschützt. Leider scheinen Sony-Displays nicht für die Ewigkeit gemacht zu sein, das Display meiner M1 sah ziemlich ramponiert aus. Ersatzakkus sind für mich ein Muss, ebenso wie ein externes Ladegerät – leider nicht im Lieferumfang der Sony enthalten. Als Stativ dient mir mein Gorillapod der ersten Generation, welches ich mir vor über 7 Jahren zugelegt habe. Die Größe ist einfach perfekt (auch wenn ich manchmal auf die neueren Modelle schiele…. ). Neu hinzugekommen ist ein einfacher Kabelauslöser. Die M3 kann nun auch mit solch einem Zubehör umgehen, sodass ich nicht an die max. 30s Belichtungszeit gebunden bin.

Sony RX100 III mit Magfilter, Gorillapod, Kabelauslöser und Umhängegurt

Astrofotografie

Ja kein Scherz, das funktioniert! Es funktioniert natürlich auch bereits mit der RX100 M1, doch mit der M3 ist noch ein wenig besser & komfortabler. Letztes Jahr bin ich über diesen Artikel bei Lonely Speck gestolpert und musste es sobald wie möglich ausprobieren. Der Urlaub auf Langeoog war wie dafür gemacht: Wenig Lichtverschmutzung, keine Autos und warme Nächte, sodass man sich mitten in der Nacht eher mal aus dem warmen Bett bequemt.

 DSC-RX100M3  8.8mm  ƒ/1.8  15s  1600 

Fazit / TL;DR

Wann würde ich diese Kamera empfehlen?

  • Als Zweit- oder gar Drittkamera für Hobby- und Profifotografen, die so wenig wie möglich im Urlaub dabei haben wollen (und denen ein Handy nicht ausreicht)
  • Auch als Hauptkamera für ambitionierte Fotografen, die die Features eines größeren Sensors / anderen Objektivs nicht benötigen

… und wann würde ich sie nicht empfehlen?

  • Wenn man auf maximale Freistellung (unscharfer Hintergrund) aus ist
  • Sportfotografie (geht schon irgendwie, aber es gibt bessere Alternativen)
  • Wenn man gerne lange Brennweiten >70mm benutzt. Das hat diese Kamera einfach nicht.
  • Wenn ihr keine schwarze Kamera wollt. Wobei, es gibt Möglichkeiten.

Bin ich zufrieden mit meiner Entscheidung? Ja. So sehr ich meine Fuji mag, trage ich sie dennoch nicht jeden Tag mit mir herum. Die kleine Sony passt, wie auch schon ihre Vorgängerin, in eigentlich jede Handtasche und manchmal auch Jackentasche.

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